The Beatles - Love (2006)
Und hier noch meine Review des Beatles-Remix-Albums. Ein bisschen gar euphorisch war ich damals schon, aber grundsätzlich stehe ich immer noch dahinter.

Oh, es hätte verdammt schlecht herauskommen können. Ich meine: Der böse CIRQUE DU SOLEIL, Liebling all jener Benissimo-Zuschauer, die sich an Weihnachten jeweils auch solchen Schrott wie SALTO NATALE oder jetzt dieses bescheuerte QUEEN-Musical anschauen, ausgerechnet also diese Las Vegas-Truppe macht eine Show mit Songs der BEATLES. Und wenn man sich die Bilder der Show ansieht, dann ist die wahrscheinlich auch Schrott.
Zum Glück ist wenigstens der Soundtrack dazu sensationell. Und das liegt am Konzept. BEATLES-Produzent George Martin hat nämlich zusammen mit seinem Sohn die Originalbänder aus dem Archiv geholt, einfach mal gehörig auseinandergschnippselt - und dann neu wieder zusammengesetzt. Das Ergebnis ist faszinierend. Quasi ein einziger grosser BEATLES-Remix, besser noch als die schon sehr guten Bastard-Remixe, die zum Beispiel das Produzententeam von GO HOME PRODUCTIONS zusammengestellt hat.
Auf LOVE gehört plötzlich zusammen, was bislang noch nie zusammengehört hat. Und dennoch passt es perfekt. Da geht “Drive My Car” nahtlos zu “The Word” und “What You’re Doing” über, dazwischen hat’s noch das Gitarrensolo von “Taxman”. Den “Sun King” lassen Vater und Sohn einfach rückwärts laufen, was das wunderschöne “Gnik Nus” ergibt. “For The Benefit Of Mr. Kite” klingt zusammen mit “Helter Skelter”-Samples noch bedrohlicher als im Original. “Blackbird” wird als Intro zu “Yesterday” verwertet. Und das Orchester von “Goodnight” wird kongenial unter Ringos Gesangsspur von ”Octopussy’s Garden” gelegt, was herrlich sehnsüchtig klingt. Die ”Lady Madonna” vereinigt sich mit dem wilden “Hey Bulldog”, und am Schluss von “Come Together” wird die Gitarre von “Dear Prudence” eingespielt, als sei sie schon immer dort gewesen. Am interessantesten ist einmal mehr ”Strawberry Fields Forever”. Als Grundlage nehmen Martin & Martin eine der Demoversionen, nur John und seine Gitarre. Und dann laden sie Spur um Spur immer mehr drauf: den Chor “Baby You’re A Rich Man”, die Trompeten von “Sgt. Peppers Lonely Heart’s Club Band” und “Penny Lane”, das Klavier von “In My Life”, das “Piggies”-Cembalo - und darüber kommt noch die Gesangsspur von “Hello Goodbye” - absolut herrlich. Natürlich ist das hochgradig blasphemisch - aber es macht unglaublich Spass.
Und selbst wenn an den Originalen nicht sonderlich viel verändert wird (wie zum Beispiel bei “Revolution” oder “I Want To Hold Your Hand”), so wurden die Songs doch fein säuberlich aufgefrischt - so gut und klar haben die BEATLES noch nie geklungen. Was es nur noch unverständlicher macht, weshalb nicht endlich alle Alben geremastered und wiederveröffentlicht werden, am besten auf DVD-Audio im schönen 5.1-Sound.
Aber wie gesagt: von der CIRQUE DU SOLEIL-Show würde ich die Finger lassen. Der LOVE-Soundtrack genügt völlig.
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