Kleiner Prince, streetparadig

Es war mein drittes Prince-Konzert, das dritte im Hallenstadion. Er spielte über zweieinhalb Stunden, praktisch jeder Song war ein Megahit. Weshalb also war ich nicht richtig begeistert? Ein paar mögliche Gründe:

Dramaturgie
Klar, ein Prince kann es sich leisten, seinen absolut grössten Hit (“Purple Rain”) bereits als zweiten Song zu spielen (und als Opener “Gold”, das aus Prince-Perspektive das “Purple Rain” der 90er-Jahre ist). Danach folgte der Rest des Konzerts. Es war ein bisschen wie Sex in der falschen Reihenfolge: erst abspritzen, dann ficken und danach mit dem Vorspiel beginnen. Dafür war das Zürcher Publikum definitiv nicht feucht genug. Die Wirkung dieser Songs verpuffte.

Darbietung
Prince war sympathisch, auf Draht, hatte Energie. Und trotzdem wirkte die Darbietung für mich zu routiniert. Es wurde Hit um Hit abgespult. “I can’t help it, I’ve got too many hits!” schrie Prince einmal. Mir wären ein paar Hits weniger lieber gewesen, dafür freudiger gespielt.

Sound
Die Songs wirkten extrem schwerfällig, und alles war von einem streetparadigen Bass unterlegt. Das verlieh den Songs etwas fettes, ungelenkiges. Manche Songs kamen so gar nicht von der Strecke. Die “Little Red Corvette” tuckerte wie ein alter Trabbi. Den Songs fehlte die Sexyness, das Knackige, das Knochentrockene. Prince spielte seine Hits, als hätte er sie erst in Schoggisauce getaucht, danach mit Schlagrahm, Caramel und Smarties überhäuft und in den Mixer gesteckt. Viel zuviel.

Es war kein schlechtes Konzert. Aber eins, das mich irgendwie kalt liess. Und dies, obwohl es im Hallenstadion gefühlte 30 Grad heiss war…

Fotos hat’s dennoch gegeben - ihr könnt sie hier sehen