“We Take Care Of Our Own”, die neue Single von Bruce Springsteen. Ein typischer upflifting Springsteen-Song - mir geht’s halt ans Herz. Ich freue mich auf das neue Album “Wrecking Ball”, das am 2. März erscheint.

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Bruce Springsteen - Devils And Dust (2005)

Bruce Springsteen feiert heute seinen 61. Geburtstag. Happy Birthday. Den folgenden Text schrieb ich 2005 über sein Album “Devils And Dust”. Anfügen möchte ich, dass ich mittlerweile meine Meinung über die E Street Band revidiert habe (spätestens nach dem grossartigen Konzert in Bern 2009).

Eine kurze Anekdote: Als ich vor ein paar Jahren meinen Lieblinglingsplattenladen ROCK ON durchstöberte, betrat ein Typ das Geschäft, ging zu Ruedis damaligem Angestellten und fragte ihn: “Hast Du was neues vom Gott da?” Er sagte “vom Gott”. Also “von dem einen Gott”. Nicht etwas “von Gott”, so wie ein Nachname, Karrell Gott oder so. “Vom Gott”. Und was tat Ruedis Angestellter? Er holte ein Boxset von Bruce Springsteen hervor.

Ich war nie einer der fanatischen Springsteen-Fans, er war weder “Boss” noch “Gott” für mich. Besonders nicht, wenn er mit dieser schrecklich schunkeligen E-Street-Band unterwegs war und dann in etwa die gleiche Musik produzierte wie Polo Hofer mit der Schmetterband, einfach auf englisch (in dem Zusammenhang witzig: Bruce wie Polo haben einmal Tom Waits’ “Jersey Girl” gecovert. Bei Polo wurde der Song zum berndeutschen “Wyssebüel”. Musikalisch klang er weniger nach Waits’ verschrobenem Original, sondern vielmehr nach einer Adaption von Springsteens Coverversion, alles schön auf das stadiontaugliche Absingen des “Shalalala”-Refrains getrimmt.).

Klar: Springsteen ist eine Rocklegende, geb ich zu. “Born In The USA” ist musikalisch eigentlich schrecklich, so wie VAN HALEN’s “Jump”. Aber es ist recht cool, dass er seinen Landsleuten diesen Protestsong andrehen konnte, ohne dass sie den Zynismus raushörten. Ronald Reagan wollte ihn sogar für seine Wahlkampagne gebrauchen!

Klar, Springsteen hat Klassiker geschaffen. “I’m On Fire” ist trotz der 80er-Jahre-Produktion wunderschön. “The River”? Herrlich traurig. Und bei “Born To Run” scheint das Reissen, das Rastlose aus jeder Rille der Platte zu fliessen.

Aber mir war Springsteen schon immer lieber, wenn er seine Jersey-Kollegen zumindest für eine Platte in die Wüste schickte - oder besser selber dorthin ging, die akustische Gitarre geschultert und die Hemdsärmel nach hinten gekrempelt. So seine besten Platten entstanden: NEBRASKA(1982) und THE GHOST OF TOM JOAD (1995), meine erste Springsteen-Platte. Da geht er es leise an, erzählt Geschichten von “kleinen Leuten”, die immer irgendwie mit ihrem Leben straucheln. Tagediebe, Mörder, Ehebrecher, Immigranten, Huren.

All die bevölkern nun auch DEVILS & DUST. Schon in der ersten Zeile hat Springsteen den obligaten Finger am Abzug, und er lässt ihn lange nicht mehr los. Man kann gar nicht weghören. Schon sind wir drin in einem verbitterten, aber wunderschönen Protestsong. Es fällt auf, dass die Platte, obwohl auch hier sehr reduziert produziert, kräftiger ist als THE GHOST OF TOM JOAD. Vor zehn Jahren musste man schon fast sein Ohr an den Lautsprecher legen, um die einzelnen Töne der Gitarre zu hören, Springsteens nuschelnde Stimme sowieso. Auch hier nuschelt er, trotzdem versteht man ihn. Die Platte pflanzt sich breitbeinig vor dir auf, zeigt mit dem Finger dich und meint nur “Hör zu!” Da stört es auch nicht, dass einige Streicher ab Keyboard die staubigen Töne etwas verwischen, es ist zum Glück nie zuviel. Und so hört man, wie er über einen singt (vielleicht einen bestimmten Texaner?), dessen “God filled soul” mit “devils and dust” gefüllt wird.

Die Platte hat dann ihre stärksten Momente, wenn Bruce einfach erzählt und uns daran teilhaben lässt. Manchmal macht er das so gut, dass es es sich anfühlt, als wäre man mit dabei. Zum Beispiel in “Reno”, als er eine Hure besucht, die ihn erstmal über den Preis aufklärt (“Two hundred dollars straight in / tow-fifty up the ass”) und ihn dann mit dem Mund aufgeilt, während seine Gedanken wegwandern, zu Maria, die er offenbar schwer vermisst. Als die Frau neben ihm dann mit der Arbeit beginnt (“She slipped me out of her mouth / ‘You’re ready’ she said”), ist sein letzter Gedanke nur noch: “It wasn’t the best I ever had / Not even close.” Und die Band übernimmt. Das ist intensiv. Nicht so wie damals, als uns Nick Cave in “O’Malley’s Bar” zu einem fünfzehnminütigen Amoklauf mitgenommen hat, aber es kommt nahe.

Maria taucht dann nochmal auf, in “Maria’s Bed”. Diesmal ist die Stimmung ausgelassener. Bruce singt über eine nette, kleine Folkmelodie im Falsett, und das verdient Respekt. Es gibt nicht viele Männer, die im Falsett singen können, ohne lächerlich zu klingen. Mir fallen da nur noch Michael Stipe von R.E.M. und Daniel Lanois ein (dessen letzte Platte SHINE (2003) viel mit DEVILS & DUST gemeinsam hat). Auch das schöne “All I’m Thinkin’ About” gehört in diese Falsett-Kategorie.

Am schwächsten ist Springsteen dann, wenn er doch noch eine ganze Band auffahren lässt, wie zum Beispiel beim Rocker “All The Way Home” oder dem Gospel “Long Time Comin’”, beide eher unnötig und irgendwie unpassend.

Aber offenbar fehlt dieser wirklich schönen Platte doch noch irgendwas. Nach rund drei Wochen ipod-Rotation habe ich von einigen der Songs bereits wieder genug. Meine Empfehlung deshalb: Kaufen, anhören, und dann wieder für einige Wochen weglegen. Dann wieder hervornehmen, es sich gemütlich machen und wieder hören. Am besten in der 5.1-Surround-Version, die es auf der beiliegenden DVD gibt.

Von mir aus kann der “Boss” nächstes Jahr auch gerne wieder mit seiner E-Street-Band auf Tour gehen. Wenn er nur wieder alle zehn Jahre seine Dämonen, Teufel und den Staub mit einer schönen Platte austreibt.

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