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Weil in diesen Tagen Vol. 2 erscheint - hier meine Review des 1. Teils.

Auf seinem letzten Album (Bad Love, 1999) gab es den Song “I’m Dead (But I Don’t Know It)”. Darin mockierte sich Newman über alternde Rockstars wie die Rolling Stones, die auch mit 60 noch auf der Bühne herumhüpfen wie junge Rehe, aber nichts neues mehr zu bieten haben.
Dieses Jahr ist Newman selber 60 geworden, und ausgerechnet jetzt gibt er ein Album heraus, das eine Auswahl von Songs aus seiner ganzen Karriere umfasst. Ist Randy Newman auch schon tot? Ausgebrannt? Hat der grosse Meister des Zynismus’ keine neuen Ideen mehr? Wenn man nur die Verpackung anschaut, könnte man den Eindruck bekommen. Da steht Newman, massig, in die Jahre gekommen, mit Sonnenbrille unter den Palmen L.A.’s. Doch der Inhalt wischt sämtliche Befürchtungen sofort weg. Newman hat sich nämlich die Zeit genommen, seine alten Songs noch einmal neu aufzunehmen. Und zwar ausschliesslich mit Piano und Stimme, keine Begleitband, kein Orchester, so, wie Newman schon seit Jahren durch die Landen tourt. Und man fragt sich beim Anhören, weshalb er das in seiner über 30jährigen Karriere noch nie für ein Studioalbum gemacht hat.
Klar, Newman ist ein erstklassiger Arrangeur, das beweisen unter anderem seine unzähligen Film-Soundtracks der letzten Jahre. Aber nackt wie hier auf Songbook Vol.1 erhalten die Songs eine ganz neue Qualität, nichts lenkt mehr von seinen brillanten Texten ab. Da gibt es “God’s Song (That’s Why I Love Mankind)”, in dem Gott die Menschheit verhöhnt (“I take from you your children and you say how blessed are we / You all must be crazy to put your faith in Me”). Oder “Rednecks”, das mit seinem “Keepin’ the niggers down” auch heute noch schockieren kann. Oder die Abrechnung mit dem Welt-Polizisten-Spiel seiner Heimat USA in “Political Science” (“Asia’s too crowded and Europe’s too old / … / Let’s drop the big one and pulverize them”). Und jeder Europäer, der hämisch darüber lacht, kriegt gleich darauf in “The Great Nations Of Europe” selbst sein Fett weg. Mit der trockenen Pianobegleitung ist sein vermeintlicher Striptease-Song “You Can Leave Your Hat On” noch lüsterner als 1973. Gleichzeitig schreibt der Zyniker Newman sensationell melancholische Songs wie “Living Without You” oder “I Think It’s Going To Rain Today”, die keine Sekunde lang kitschig wirken. Randy Newman hat noch lange nicht ausgeklimpert. Und das Vol. 1 im Albumtitel lässt auf eine baldige Fortsetzung dieser wunderbaren Platte hoffen...
- Randy Newman