Als ich mich kürzlich auf ein Interview mit Patent Ochsner-Frontmann Büne Huber zum 20. Geburtstag des Ochsner-Debüts “Schlachtplatte” vorbereitete, wurde mir plötzlich bewusst, was für ein grossartiger Musikjahrgang 1991 war. In diesem Jahr erschienen einige Meilensteine der Musikgesichte (u.a. Nirvanas “Nevermind”, “Blue Lines” von Massive Attack, U2s “Achtung Baby”, “Blood Suger Sex Magic” von Red Hot Chili Peppers oder “Out Of Time” von R.E.M.). Es waren Alben, die mich als 14-Jähriger ansprachen, berührten und für immer prägten. Manche dieser 10 Alben gehören noch immer zu meinen absoluten Favoriten.

U2 - Achtung Baby
Das unerreichte Meisterwerk der vier Iren, die beste Rockplatte aller Zeiten. U2 machen mit uns eine wüste Reise durch die Nacht, stürzen ab, rappeln sich wieder auf und torkeln dann reumütig nach Hause. Nie mehr gelang U2 der Spagat zwischen Anspruch und Pathos so gut wie auf diesem Album - mehr dazu in meiner Review.
Lieblingssong: “Ultra Violet (Light My Way)”

R.E.M. - Out Of Time
Wie Millionen andere lernte ich R.E.M. 1991 dank dem Überhit “Losing My Religion” kennen. Als das Album erschien, wusste ich noch nicht so recht, was ich mit diesem Mix aus Melancholie und Happiness anfangen sollte. Erst ein Jahr später mit “Automatic For The People” wurde mir endgültig bewusst, was für eine grossartige Band R.E.M. waren (und dass sie das bereits in den Jahren zuvor waren…). Mehr dazu in meiner Remasters-Review.
Lieblingssong: “Belong”

Züri West - Arturo Bandini
1991 kannte ich (grosser Bruder und Cousine sei dank) Züri West bereits gut. Mit “Arturo Bandini” fesselten sie mich endgültig an sich. Das Album bietet einige der besten ZW-Songs - zum Beispiel den Titeltrack oder die grossartige Lyle Lovett-Coverversion “Ghürate ha se nume wiu se glich usgseht wie du”.
Lieblingssong: “Ghürate ha se nume…”

Crowded House - Woodface
Der grosse Hit war natürlich “Weather With You”. Aber diese Platte hat soviel mehr zu bieten: grosse Popharmonien, ausgeklügelte Arrangements, wunderbare Herbstmelancholie. Es war das grösste Glück für Crowded House, als Bandleader Neil Finn seinen Bruder Tim in die Band holte.
Lieblingssong: “Chocolate Cake”

Stephan Eicher - Engelberg
Das Album, das mich zum Eicher-Fan machte. Zwar war es keine grosse Weiterentwicklung des Vorgängers “My Place” (1989), und der Nachfolger “Carcassonne” (1993) hatte die besseren Songs. Trotzdem ist “Engelberg” ein meisterhaftes Popalbum mit einem wunderbar warmen Sound.
Lieblingssong: “Tu ne me dois rien”

Guns N’Roses - Use Your Illusion I&II
Ich war nie der grösste GN’R-Fan. Aber als Rock-begeisterter Teenie kam man 1991 einfach nicht um diese beiden Alben herum. Songs wie “You Could Be Mine”, “November Rain”, “Don’t Cry” oder die McCartney-Coverversion “Live And Let Die” gehörten zu meinem persönlichen Soundtrack des Jahres. Ausserdem behaupte ich heute noch, “Knocking On Heaven’s Door” gefalle mir in der Gunner-Version besser als Dylans Original.
Lieblingssong: “Live And Let Die”

Marc Cohn - Marc Cohn
Angefixt wurde ich natürlich durch die grossartige Pianoballade “Walking In Memphis” (die später von Cher und Polo Hofer verhunzt wurde). Cohns Debüt ist ein Meisterwerk des CSNY-inspirierten Folkpops. Songs wie “Ghost Train” oder “Perfect Love” schaffen eine unglaubliche Atmosphäre. Für mich immer noch eine Platte für warme Sommernächte.
Lieblingssong: “Perfect Love”

Sting - The Soul Cages
Von Stings Popalben ist es sicher sein schwierigstes. In den Songs verarbeitet er persönliche Probleme wie zum Beispiel den Tod seines Vaters. Dabei gelingen ihm aber grossartige Songs - man muss sich nur darauf einlassen.
Lieblingssong: “Why Sould I Cry For You?”

Patent Ochsner - Schlachtplatte
Das ungehobelte Debüt der Berner ist zwar lange nicht so gut wie das 94er-Meisterwerk “Gmües” - aber es legte die Grundlage für eine der besten Mundartbands der Schweiz. 1991 eine Platte mit Polka- und Tangoklängen sowie Brecht- und Waits-Anleihen zu veröffentlichen, ist schon ein starkes Stück.
Lieblingssong: “Domino”

Simple Minds - Real Life
Ich war 8 Jahre alt, als das grosse Live Aid-Konzert stattfand. Ich kann mich nur noch an den Auftritt von Simple Minds erinnern - vielleicht sind mir die Schotten deshalb ans Herz gewachsen (vielleicht aber auch, weil ich selbst ein musikalischer simple mind bin…). “Real Life” ist ein tolles Popalbum - das letzte gute der Simple Minds.
Lieblingssong: “See The Lights”
Und ja, ich gebe zu - ausserdem haben mich 1991 auch noch folgende Alben begeistert:
- Tom Cochrane - It’s A Mad Mad World
- Bryan Adams - Waking Up The Neighbours
- Prince - Diamonds & Pearls
- INXS - Live Baby Live
- Michael Jackson - Dangerous
By the way: 1991 war kein gutes Jahr für Penisse…